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Sonntag, 21. Dezember 2014

Ja, vielen Dank auch.

Zuviel der Ehre. 


Ja Servus,

da waren wir wohl ungewollt "Inspiration": mit unserem  Artikel über die archäologischen Erkenntnisse die Entstehung des Glaubens an den alttestamentarischen Gott "Jahwe" betreffend haben wir wohl was losgetreten. 
Pünktlich zu Weihnachten kommt der SPIEGEL mit der gleichen Story um die Ecke wie wir schon vor zwei Wochen. 



Auch die SPIEGEL-Story lehnt sich an die Erkenntnisse Israel Finkelsteins an. Wir hatten nur keine Namen von Wissenschaftlern genannt: allerdings hatten wir deutlich geschrieben, daß wir die Ergebnisse der gegenwärtigen Forschung zusammenfassen. 
Wer sich ein paar Minuten mit der Materie beschäftigt, stößt ohnehin auf Finkelstein. Seine Erkenntnisse bei der Erforschung der Bevölkerungsentwicklung im südlichen Kanaan um 1300 v. Chr. bis ca. 800 v. Chr. sind bahnbrechend. 


Prof. Israel Finkelstein, Universität Tel Aviv
Bei der archäologischen Erforschung des Alten Testaments weltweit führend

Natürlich wird beim SPIEGEL etwas reißerischer gleich von der "Geburt Gottes" gesprochen. Die Handschrift Nikolaus Blomes, der vom Recherche- und Schlagzeilenolymp "BILD" zum SPIEGEL kam (Rudolf  Augstein würde das sicher ganz besonders freuen), scheint wohl durch. 

So, wie sich das uns darstellt, gehen wir nur von einem anderen arabischen Vulkan als Quelle des Glaubens an "Jahwe" aus als der SPIEGEL. Beide befinden sich allerdings in der Nähe von Medina. Achja, und wir reden nicht von der "Heimat Gottes", oder der "Geburt Gottes", als gebe es für uns nur den "einen Gott".

Daß das der selige Franz-Josef Strauß nicht mehr erlebt, ist sehr schade: die Redaktion des SPIEGEL ist offenbar gläubig geworden. Ob da auch Herr Blome dahintersteckt?

So long

Der Falke


Montag, 10. November 2014

5 Jahre - Robert Enke

Ja Servus,

heute lassen wir mal die Grafiken sprechen. Exemplarisch, was "rp-Online" da mal schrieb:

Klick: Originalgröße


So ist es leider noch immer. Denn gerade HEUTE kommt n-tv.de mit dem Ding hier:

Klick: Originalgröße

Dabei hatte auch n-tv.de mal die andere Welle geritten:



Klick: Originalgröße


Wir finden das, gelinde (!) gesagt, BILD-like. Und das hätten wir dann zuallererst FOCUS Online zugetraut.

Bemerkung am Rande:
Im Artikel wird die Aussage relativiert. Aber die Schlagzeile steht da trotzdem.
Auf n-tv.de ist sonst übrigens keinerlei Erinnerung als den Tod Robert Enkes vor 5 Jahren zu lesen. Dann ist man da wenigstens konsequent.

So long






Der Falke


Donnerstag, 13. Oktober 2011

Von "St. Pius X." zu "St. PI"

Wird Papst Pius X. der Schutzheilige von PI?


Ja Servus,

sie haben es schon wieder getan:

auf unserem "Lieblingsblog" Politically Incorrect erschien schon wieder ein Artikel zum Thema "Pius-Bruderschaft". 

Naja: Artikel ist zuviel gesagt. Das hiesse ja, dass man sich mit einem Sujet beschäftigen würde. Das tut man aber nicht. Man beschränkt sich lediglich darauf, einen offenen Brief des deutschen Führers Distriktoberen des rückwärtsgewandten, judenfeindlichen, chauvinistischen und rechtsradikalen Altkatholikenhaufens "Pius-Bruderschaft", "Pater" Franz Schmidberger, abzudrucken.

Pater Franz Schmidberger

Und im Gegensatz zu uns schreibt man bei PI nicht umgangssprachlich inkorrekt von der "Pius-Bruderschaft", sondern man schreibt politisch vollkommen korrekt (also quasi incorrectly incorrect) den korrekten Namen der Vereinigung völlig korrekt ganz aus: "Priesterbruderschaft St. Pius X.". Applaus!

Dieser abgedruckte Brief ist an den Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, gerichtet. Und soll eine Antwort sein auf dessen Antisemitismus-Vorwürfe an die Pius-Bruderschaft - ähm, die "Priesterbruderschaft St. Pius X.", wie es politically correct heissen muss.

Auf den Inhalt des offenen Briefes, der krude genug ist, gehen wir hier gar nicht ein. Sondern darauf, 
- warum zum Teufel "Politically Incorrect", ein Blog, der als Fan-Blog von George W. Bush entstand und der heute in der Öffentlichkeit als "Sprachrohr der Islamkritik" wahrgenommen wird (ob er das auch IST, ist eine ganz andere Frage), für die als Judenfeinde bekannten Piusbrüder so nachhaltig trommelt,
- und warum es "PI" noch immer wagt, sich angesichts der vielen judenfeindlichen Aspekte, Artikel und Werbekunden, und der rechtsradikalen und faschistoiden Züge und Bezüge verschiedener Autoren sich selbst als "Israelfreundlich" zu bezeichnen,
- und warum inzwischen auf "PI" und der als judenfeindlichen und rechtsradikal bekannten Altkatholikenwebweltnetzseite "kreuz.net", für die erwiesenermassen auch NPD-Autoren schreiben und die (wie PI auch!) inzwischen im juristisch unerreichbaren Ausland gehostet wird, die thematisch gleichen Artikel erscheinen. Und zwar mehrfach.

Zum Punkt 1. Das Trommeln

PI schreibt nun schon den sechsten Artikel zum Thema "Piusbruderschaft", und immer sind sie lobhudelnd. Keiner der Artikel setzt sich kritisch mit deren klar judenfeindlichen Positionen auseinander, auch deren Frauenbild und deren quasi abwesendes Demokratieverständnis ist den selbsternannten "Schützern von Demokratie, Redefreiheit und Menschenrechten" von PI irgendeine Zeile wert.

1a. Judenfeindlichkeit
Dabei ist bekannt, dass die "Brüder" eine vom Kopf her judenfeindliche Einstellung haben. Belege: 
- Der Gründer Lefebvre schrieb 1985 an den damaligen Papst, die Feinde der Kirche seien Juden, Kommunisten und Freimaurer.
- Die belgische Webseite "Joods actueel" zitierte von der amerikanischen Webseite der "Brüder", wonach "...das internationale Judentum..." die christlich-katholische Ordnung zerstören wolle, und ausserdem sei "...das Geld, die Medien und die internationale Politik in den Händen der Juden..."
- Deutschland-Chef Schmidberger bezeichnete in einem Schreiben von 2008 die Juden als "Gottesmörder". Diese Aussage steht, auch wenn er dies später relativierte, und die heute lebenden Juden von dieser "Schuld" ausnahm (!) - wie gnädig. 
- Von dem verurteilten Holocaustleugner Williamson müssen wir wohl kaum reden...aber auch als er noch nicht von der Bruderschaft ausgeschlossen war, faselte er davon, dass die Juden das Christentum unterwandern würden, leugnete den Holocaust, bezeichnete ihn als "Erfindung der Juden" und zweifelte die Gaskammern von Auschwitz an. Und das bereits im Jahre 1989 (!).  Aber damals warf ihn niemand raus. Im Gegenteil.
Da gibts noch viel mehr, aber das ergibt doch schonmal ein klares und stringentes Bild der braunen Brüder.

1b. Das Frauenbild
Das Frauenbild der "Brüder" (nicht Schwestern!) kommt auch wunderbar deutlich in folgenden Aussagen zum Vorschein:
- Schmidberger selbst ist gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und zwar nicht nur kirchlich, sondern auch gesellschaftlich. Wörtlich sagte er: "...[Wir brauchen]...Frauen, die Frauen sind und Frau sein wollen, das heisst Gehilfin des Mannes und Mutter der Kinder."
- Und auch Freund Williamson stösst ins gleiche Horn. Schon im Jahre 2000 verkündete er, dass "...kein Mädchen zur Universität gehen sollte...Man braucht keine Universität...[um das zu lernen, was Mädchen brauchen]...zum Beispiel Hauswirtschaft, Einrichtung und Unterhalt eines Heims, Pflege und Erziehung der Kinder, die geistige und soziale Vorbereitung auf die Ehe."
Liebe Frau Schwarzer: bevor Sie Allianzen mit der sexistischen BILD eingehen, um Vorverurteilungen für mutmassliche Vergewaltiger zu erreichen, wäre hier doch eher ein Betätigungsfeld für Sie, oder? Bevor man sich um die Rolle der Frau im Islam Sorgen macht: das hier sind keine Taliban! Das sind Kerle in "christlicher Tradition", die Frauen zu Menschen zweiter Klasse machen, Frau Schwarzer.

1c. Das Gesellschaftsbild
Und jetzt mal ganz langsam und zum Mitschreiben: die Pius-Bruderschaft lehnt ganz offiziell die allgemeine UN-Menschenrechtscharta ("Allgemeine Erklärung der Menschenrechte") ab. Sie sei die "Quelle des Atheismus". Gleichzeitig lehnt man einen laizistischen Staat ab, und fordert statt dessen eine "christliche Gesellschaftsordnung", in der die Todesstrafe gälte, und Gotteslästerung wieder ein Straftatbestand sei. 
Na sowas? Das wäre ja ein veritabler Gottesstaat! Wie im Iran!

Und DAFÜR trommelt ausgerechnet PI? 
____________

Zum Punkt 2. Die "Israelfreundlichkeit"

Ist eigentlich ein Blog, 
- der sich für diese "Bruderschaft stark macht, 
- dessen Hauptautor Stürzenberger sich bei rechtsextremen Holocaustleugnern, dem NPD-Blatt "Deutsche Stimme" und Geschichtsrevisionisten bedient (so dass man sich fragt, was der den ganzen Tag liest, dass er diese Dinge überhaupt parat hat!),
- dessen Hauptautor "kewil" Juden die Fähigkeit abspricht, Staatsbürger eines anderen Landes als Israel zu sein
- der regelmässig den Zentralrat der Juden attackiert
- der Werbung schaltet, die direkt zu "14 words", "aryan nation" und der "Überlegenheit der weissen Rasse" führt
 noch "israelfreundlich"?

WOHL KAUM!

Edit: der monatelang vorhandene Link des Werbebanners zur rechtsextremen "Antenne der Freiheit" ist seit zwei Tagen plötzlich verschwunden. Naja: wir haben ja oft genug drauf hingewiesen.


Banner der rechtsradikalen Webseite "Antenne der Freiheit", 
mit dem auf "PI" monatelang geworben wurde.
____________

Zum Punkt 3. Die Parallelen zu "kreuz.net"

Für den noch weiter rechts als "die Brüder" stehenden Blog "kreuz.net" schreiben NPD-Mitglieder und noch schlimmere Zeitgenossen. Zum Beispiel:

- Hitler-Verehrer und Judenhasser Gregor Heller
- Dirk Zimmermann, Neo-Nazi und Holocaustleugner aus Heilbronn
- Bernhard Paul Becker, Neo-Nazi aus Jena, verurteilt wg. Volksverhetzung
- Peer Knörich, Holocaustleugner
- Jürgen Graf, Holocaustleugner, nach Moskau geflohen
- Regina Wilden von Pro Köln
- Martin Humer, Holocaustleugner (vor kurzem verstorben)
- und so weiter und so fort...

Wie kann es dann sein, dass sowohl PI als auch kreuz.net fast zeitgleich Artikel fast deckungsgleichen Inhaltes bringen? Und es in beiden um die Piusbrüder geht?

Beispiel 1
Kreuz.net: http://www.kreuz.net/article.14017.html
PI: http://www.pi-news.net/2011/10/piusbruder-weisen-graumann-vorwurfe-zuruck/

Beispiel 2
Kreuz.net: http://www.kreuz.net/article.13774.html
PI: http://www.pi-news.net/2011/08/kampf-gegen-piusbruder-schule-immer-grotesker/
____________

Und obwohl es schon schlimm genug ist, für die Piusbrüder in ihrer ganzen widerwärtigen Grundeinstellung zu trommeln: fast noch schlimmer ist es, sich als Plattform für deren Positionen redaktionell absolut unkommentiert zur Verfügung zu stellen. Wie mit diesem unsäglichen Schmidberger-Brief.
____________

Epilog:
Komme mir noch einer damit, es ginge bei PI um Islamkritik, um die Wahrung der Demokratie und um "Freiheit". 

Blödsinn! 

Es geht um
- Fundamentalkatholizismus, oftmals noch konservativer als Ratzinger
- Die "genetische Reinheit" des Deutschen Volkes (was auch immer das ist), und damit Rassismus durch die Hintertür. Gegen ALLE Ausländer, zumindest die mit dunklen Augen, gegen Muslime, und ... auch gegen Juden als religiöse Gruppe.
- Unterdrückung der Frau (Frau Schwarzer und Frau Röhl: es ist Zeit, sich von PI zu distanzieren!)
- gesellschaftlicher nationalkonservativer Roll-Back
- wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Libertarismus am Rande der Anarchie


Und die intellektuellen Vorturner einer wie auch immer gearteten Islamkritik, wie Günter WallraffRalph Giordano oder auch Henryk M. Broder, und in ihrem Windschatten veritable Journalisten, Kabarettisten und Politiker wie Bettina Röhl, Vince Ebert und Vera Lengsfeld, lassen sich vor einen Karren spannen, dem sie vor kurzem oftmals noch selbst die Pferde geklaut haben. Hirnrissig!

Ganz ehrlich:
Da ist mir ein Udo Pastörs lieber als diese PI-Macher vom Schlage eines kewil, Stürzenberger oder Herre. Der Pastörs ist ein offener Rassist und ein Anti-Demokrat, mit Ecken und Kanten. Mit dem kann man sich wenigstens auseinandersetzen.

Aber diese PI-Verbrecher
- setzen sich frech eine demokratische Maske auf,
- bedienen längst überholte Vorurteile,
- tragen Feigenblätter wie ihre plakative Israelfreundlichkeit vor sich her und
- reiben sich die freiheitliche Vaseline auf die Haut, um immer glitschig wie ein Aal alle argumentativen Klippen umschiffen zu können.

Und beschimpfen ihre Gegner als das, was sie am Ende selbst sind: 
- Chauvinisten
- Faschisten
- Rassisten
- Anarchisten
Und ihre demokratische Tarnkappe funktioniert so gut, dass selbst der Verfassungsschutz sich blenden liess. Hoffentlich ändert sich das bald: unsere Informationen gehen immer in Kopie an mit uns in Verbindung stehende MdB und MdL.

So long

Der Falke




P.S.: Uns wurde vor kurzem vorgeworfen, wir wären von "Stasi" und "Tscheka" gesteuert. Mal ganz abgesehen davon, dass es diese Organisationen gar nicht mehr gibt:
Wenn es so wäre, würde das irgendetwas an dem, was Stürzenberger, kewil, Schmidberger oder Williamson äusserten und / oder schrieben, ändern?

Genau: Nö!

Freitag, 26. August 2011

"BILD.de" und die Nazis: heute so, morgen so

Oder: wie man sich einen Wissenschaftler kauft - und einen Unbequemen loswird


Ja Servus,

es ist zum Haare raufen.

Wenn BILD.de ein Sternzeichen hätte, wäre es "Schnecke". Denn die haben ja mal so überhaupt gar kein Rückgrat. Mal gehen sie mit einer Nachricht so um...und mal ganz anders. Wies grad passt.

Diesmal: Malte Engelmann.
Da fällt der Bremer CDU-Politiker aus der Rolle und verwendet den Satz "Kauft nicht bei Juden" in seinem Blog bzw. auf seiner Homepage. Das ist natürlich suboptimal. Da verbreitet der ja Nazi-Parolen, und das geht nicht. Also jault BILD.de auf: "Nazi-Skandal um Bremer Jung-Politiker". 

So weit stimmts ja noch. So lange man den Hintergrund nicht kennt. Und der steht -natürlich- nur unvollständig bei BILD.de: Engelmann habe sich mit dem unpassenden Vergleich gegen Islam-Ressentiments in seiner Partei wehren wollen. Doch zu Engelmanns Beweggründen später mehr.

BILD.de natürlich, nicht faul, zitiert sofort einen Politologen als Fachmann heran. Es eilt, den Satz wissenschaftlich einzuordnen, herbei: Dr. Christoph Kopke. Und der sagt pflichtgemäss: 
"Das geht nicht! Islam-Angst kann man auf keinen Fall mit diesem Nazi-Spruch gleichsetzen. Diese Parolen taugen überhaupt nicht für eine politische Auseinandersetzung. Man kriegt einen Schreck, wenn man das liest."
Okay, das schlucken wir auch noch. Naja, für sich gesehen hat er ja auch recht.

Aber:
Lieber Herr Kopke, WO waren Sie eigentlich, als Jürgen Fliege DIESEN Satz sagte:

Klick für Originalgrösse

Ja, geneigter Leser, Sie lesen richtig: das ist ja genau das gleiche. Nur: Jürgen Fliege sagt diesen Satz nicht auf seiner Homepage oder in seinem Blog, sondern auf BILD.de selbst. Und der Satz bleibt völlig unkommentiert, er steht da einfach, und er steht da noch immer! Kein Aufjaulen von BILD.de, keine heisere Schlagzeile, und kein Politologe. 
Wir hatten den Satz schonmal angeprangert, vor allem die fehlende Reaktion der BILD-Redaktion darauf. Passiert ist natürlich nix...dafür sind wir zu klein. 

Und das heisst, der Satz steht da weiterhin! Diese unsägliche Holocaust-Relativierung des Herrn Fliege, auch noch verbunden mit der konstruierten Opferrolle der faschistoiden Scientologen. Eine Verhöhnung von sechs Millionen ermordeten Juden: die gefolterten, schikanierten und vertriebenen gar nicht mitgezählt. Ein Satz, den wir eher von John Travolta oder Tom Cruise erwartet hätten. Oder von David Miscavige

Also, Herr Dr. Kopke: DA hat Sie keiner von BILD.de angerufen und gesagt: "Machen sie doch mal'n Statement dazu!" Nicht wahr? Wir sind eigentlich der Ansicht, dass dieser Satz von Herrn Fliege ein viel grösserer Anreiz für einen Wissenschaftler wie Sie gewesen wäre, sich zu Wort zu melden und die Sache einzuordnen. 
Oder: sollte es für Ihre Haltung der BILD.de-Redaktion gegenüber eine Rolle spielen, dass Sie vom Springer-Konzern (zu dem BILD ja gerüchteweise gehören soll), Forschungsmittel erhalten?!? Hä?
Wessen Namen finden wir da auf dieser Liste der Zuwendungen der Springer-Stiftung an Wissenschaftler? Etwa Ihren?


Klick für Originalgrösse

Hält man die Klappe ob des unsäglichen Fliege-Geseiheres in einem redaktionellen BILD.de-Beitrag, wenn man von Springer bezahlt wird? Und meldet sich nur zu Wort, wenn man gebraucht wird, um einen unbequemen, weil nicht islamfeindlichen, CDU'ler loszuwerden? Oder was?

So, und nun zum Hintergrund: jetzt ordnen WIR das mal ein, mithilfe der taz.

Natürlich, auch wir wehren uns, wenn der Holocaust so platt relativiert wird. Das ist immer gefährlich. Und kurz gesagt, Herr Engelmann: das war echt ein Griff ins WC. Eine andere Formulierung wäre besser gewesen. Eigentlich wäre jede andere Formulierung besser gewesen.

Aber:
die unterschiedlichen Reaktionen auf Fliege und Engelmann sowie die unterschiedlichen Beweggründe der beiden sind schon sehr befremdlich. Engelmann wollte zuspitzen und islamfeindliche Trends in der CDU kritisieren. Fliege hingegen hat den Satz nur eingesetzt, um hemmungslos Kohle zu machen. Und keiner sagt was (vom Politblogger mal abgesehen).

Von der taz (s. u.) mal abgesehen, macht sich niemand die Mühe*, den Hintergrund zu beleuchten. Nein, man drängt Engelmann zum sofortigen Rücktritt. Dabei hat er gar nicht dazu aufgefordert, "nicht bei Juden zu kaufen", wie es perfiderweise jetzt dargestellt wird. Sondern es war eine -wenngleich äusserst unpassende und geschmacklose- satirische Zuspitzung gegenüber einem "Parteifreund", der Engelmanns Aussage nach "islamfeindlich" eingestellt sei, und ihn, Engelmann, wegen seines offenen Umgangs mit Muslimen kritisiert hatte.

Der ganze Hintergrund ist bei der taz nachzulesen, und dann versteht man auch den Kontext des Originaltextes von Malte Engelmann. Engelmann ist nun politisch tot, während Flieges Satz bislang weitgehend unbemerkt im Netz vor sich hin wabert und unwidersprochen ist. Ein echter Skandal: danke, liebe Schnecken von BILD.de.

Verkehrte Welt. 

Naja, wenigstens hat man jetzt geschafft, dass der als "modern und gemässigt" geltende Engelmann nun aus dem Weg ist. Dann kann man ja nun versuchen, als seinen Nachfolger jemanden zu installieren, der seinem Vorgänger im Amt des JU-Vorsitzenden in Bremen ähnlicher ist. Der soll nämlich ein "Rechtsaussen" gewesen sein, wie die taz schreibt.

So long

Der Falke
*Edit: 26.08.2011, 18:22 Herr Heinser hat sich inzwischen die Mühe gemacht, den Hintergrund zu beleuchten. Vielen Dank.

Mittwoch, 17. August 2011

Der Triumph des Rechtsstaates - "Gnade ist unverdient"

Ja Servus,

BILD.de berichtet heute ungewohnt sachlich über die neuerlichen Ermittlungen gegen die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt
Mohnhaupt soll am Überfall auf einen Waffenhändler beteiligt gewesen sein, wie die erneute Auswertung alter Spuren mittels DNA-Abgleich ergab. Drei Zigarettenkippen, die im Fluchtfahrzeug sichergestellt wurden, konnten Mohnhaupt eindeutig zugeordnet werden.

Überhaupt fährt BILD.de beim Thema RAF eine eher "softe" Linie und berichtet meist sehr sachlich - man könnte sogar fast sagen: "journalistisch" -, wenn nur diese BILD-typischen Ausreisser nicht wären. Und die kommen, wenn man von RAF-Terroristen vor oder nach ihrer rechtmässigen Entlassung Reue verlangt - obwohl das weder bei Begnadigungen Sinn macht, noch bei regulären Entlassungen nach Verbüssung von Strafen irgendeine rechtliche Grundlage hat.

Georg Schramm hat das in seiner Bühnenidentität als "Lothar Dombrowski" einmal wunderbar herausgearbeitet, als damals die Diskussion um eine vorzeitige Begnadigung Christian Klars durch Bundespräsident Horst Köhler hochkochte: er verwies auf den Begriff der "Gnade" selbst, und sagte: 
"...weil es das Wesen der Gnade ist, dass sie unverdient ist".
Christian Klar muss sich die Gnade also nicht erst durch Reue verdienen. Schramm zielte damit darauf ab, dass die Gnade ein Herrschaftsinstrument ist, ein Ausdruck der Macht der Staatsgewalt über seine Bürger. Wie gründlich muss die Resozialisierung im Gefängnis bei Christian Klar angeschlagen haben, dass er damals den Bundespräsidenten um Gnade bat? War das nicht Klars Ausdruck der totalen Unterwerfung, und damit der totale Triumph des Rechtsstaates? Schramm: "Tiefer kann ein Christian Klar überhaupt nicht sinken..."

Wie stumpf muss man angesichts dieses Hintergrundes eigentlich sein, dass man, wie der damalige CSU-Chef Stoiber, die Reue als Voraussetzung für eine Begnadigung aufbauscht? Vielleicht sollte man auch dem Juristen Stoiber oder auch dem einen oder anderen BILD-Redakteur mal sagen, dass es der Reue auch dann nicht bedarf, wenn jemand nach Verbüssung seiner Strafe entlassen wird. Denn schliesslich sind wir ein Rechtsstaat - und haben eben keine Willkür- oder Rachejustiz

Ein ähnliches Verhalten wie Christian Klar zeigt heute Brigitte Mohnhaupt. Sie bittet die BILD-Reporter, ihren Aufenthaltsort nicht preiszugeben. Soll ich es nochmal schreiben? Okay: 
Sie bittet die BILD-Reporter, ihren Aufenthaltsort nicht preiszugeben.
Was will man als Rechtsstaat eigentlich noch mehr erwarten? WAS?

So long

Der Falke




P.S.: Georg Schramms "Gnadenrede" im Video. Zahnbürsten stellen wir zur Verfügung.



Montag, 15. August 2011

Jürgen Fliege relativiert den Holocaust. Und BILD hilft dabei.

Ja Servus,

einen Tag lang fehlten uns die Worte darüber, dass "TV-Pfarrer" Jürgen Fliege einen Satz absonderte, der uns das Blut in den Adern gefrieren liess. Und der nun schon 24 Stunden unwidersprochen durch das Internet wabert. Wir hatten eigentlich gedacht, irgendeiner sagt schon was dazu, aber bislang ist Schweigen im Walde Netz.

Was war passiert:
Fliege bietet auf seiner Homepage eine medizinisch selbstverständlich völlig wirkungslose "Fliege-Essenz" an. Das soll wohl Wasser sein, das durch sein spirituelles Zutun (Beten?) in was auch immer verwandelt wird. Knapp 100 ml für knapp 40 Euro (!!).


Unter anderem das rief die Sektenbeauftragte des Hamburger Senats, Ursula Caberta, auf den Plan, die in ihrem Buch "Schwarzbuch Esoterik" in einem Rundumschlag Prominente anprangert, die ihrer Ansicht nach der Esoterik Vorschub leisten. Und damit Menschen für die Aktivitäten von Sekten anfälliger machen.

Dieser Vorstoss ist unserer Meinung nach ein wenig überzogen, wenn sie zB Hape Kerkeling oder auch Nena deswegen angreift, aber man muss Cabertas Vorgeschichte berücksichtigen: 

seit Jahrzehnten warnt Caberta vor den Gefahren der (nicht nur in unseren Augen) faschistoiden Psychosekte "Scientology", und hat mit ihrer beharrlichen, selbstlosen und aufklärerischen Arbeit in Deutschland ein Klima geschaffen, in welchem Scientology nicht mehr so recht gedeihen kann. Dabei setzte sie sich gegen grösste Widerstände durch, u. a. zahllose Klagen, Kampagnen, Denunzierungen und auch Drohungen durch Scientology und / oder beauftragte Anwälte. Aber sie blieb bei ihrem Ding und zog es durch. Daher sei ihr problemlos verziehen, wenn sie wie hier ein wenig über das Ziel hinausschiesst.
Über Cabertas Engagement ging auch die eigentlich vielversprechende Partnerschaft mit der damals sehr erfolgreichen Scientology-Kritikerin Renate Hartwig in die Brüche. Hartwigs Buch "Scientology: Ich klage an" hatte uns Anfang der 90er für den Bereich sensibilisiert. Gemeinsam hätten die beiden noch viel mehr erreichen können.

Aber Fliege wehrte sich. Seinem offensichtlichen Drang, in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen zu müssen, gab er nach und gab ein "Gegeninterview". Und wo macht man das am Besten? Genau. Bei BILD.de.

Unter der Schagzeile "Nach dem Sex bete ich" (plakativer gehts dann wohl kaum noch) bietet BILD ihm ein Forum. Und weil Fliege auch vorgeworfen wird, für Produkte von Scientology Werbung zu machen, antwortet er BILD.de allen Ernstes:
"Caberta sagt, 'Kauft nicht bei Scientologen'. Wie früher in ungleich gefährlicheren Zeiten gesagt wurde: 'Kauft nicht bei Juden'...". 
Doch, stimmt wirklich. Soll ich es nochmal aufschreiben? Okay, hier der Screenshot:


Das schlägt doch dem Fass die Krone ins Gesicht, oder? Sind WIR hier die Irren, die das absolut unmöglich finden? Da passieren doch gleich zwei unglaubliche Dinge auf einmal:

- zum Einen setzt sich hier ein deutschlandweit bekannter TV-Moderator und evangelischer Pfarrer für eine erwiesen menschenverachtende und faschistoide Organisation ein, deren oberstes Credo das "Geldverdienen" ist. Scientology akzeptiert keinerlei staatliche Autorität, agiert so gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung und wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.
Wie Fliege das mit seinem so plakativen christlichen Glauben vereinbart, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht sollte er einfach mal lesen, was sein Heimatclub, die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD), über seinen neuen Verein, die Scientologen, so schreibt.

- zum Anderen stimmt er ein in deren konstruiertes Opfer-Gehabe, wonach sie behaupten, sie wären die "Juden der 90er" und würden in Deutschland genauso verfolgt wie im 2. Weltkrieg die menschen jüdischen Glaubens.

Wenn das ein ideologisch verblendeter gehirngewaschener oder unter dem Zwang seiner Vorgesetzten stehender Scientologe sagt, kann ich das noch einordnen: das ist eine Relativierung des Holocaust, die man nicht durchgehen lassen kann, die man aber von faschistoiden Organisationen gewohnt ist.
Eine völlig weltfremde und verstellte Sicht der Dinge, denn hierzulande wurden mal noch keine Scientologen enteignet, verjagt, deportiert, in Ghettos gesperrt, gefoltert, eingesperrt, auf offener Strasse erschossen oder auch mal mit Knüppeln erschlagen, zu Zwangsarbeit oder einfach nur zum Verhungern in Konzentrationslager eingewiesen oder am Ende planmässig und industriell umgebracht. Und solange wir ein Rechtsstaat sind, wird das auch nicht passieren.

Aber wenn ein bundesweit bekannter TV-Moderator so etwas sagt, dann kann das nur zwei Ursachen haben:
- entweder, er ist komplett durchgeschossen und glaubt, was er sagt
- oder er ist komplett skrupellos und erzeugt einen kalkulierten Skandal, um Aufmerksamkeit und damit UMSATZ zu generieren.

Mit letzterem würde Fliege zeigen, was er inzwischen ist:
Ein Unternehmer in eigener Sache, ohne jeglichen ethischen oder moralischen Anspruch. Aber mit einem übermoralischen und überethischen Anstrich.

Und dass BILD.de diesen Satz unkommentiert ins Netz stellt, dafür gehört Herrn Diekmann für drei Tage das Haargel entzogen. Oder schlimmeres.

So long

Der Falke

Dienstag, 9. August 2011

BILD.de mal wieder: Wer ist hier pädophil?

Ja Servus,

eigentlich wollt ich grad mit dem Hund raus, und klicke doch wieder auf BILD.de. Ach, hätt ich lassen sollen. So muss ich wieder was dazu schreiben, ich kann einfach nicht anders.

Natürlich ist sexueller Missbrauch an Kindern schlimm, und kann durch nichts gerechtfertigt werden. Abgesehen davon, dass die meisten dieser Täter weniger kriminell, sondern vielmehr krank sind, und sich selbst oft für ihre Taten hassen.
Aber wir wissen ja, wie BILD.de diese Täter betitelt und oft einfach auch nur menschenunwürdig hetzt. Beispiele dafür gibts hunderte.

Ganz abgesehen davon, dass Fachleute wie Ärzte und Therapeuten, die mit den Opfern arbeiten, die BILD-Lieblings-Täterbetitelung "Kinderschänder" rundheraus ablehnen. Da die Kinder die Opfer sind, und nicht etwa nach der Tat "in Schande" leben müssen, ist der Begriff schlicht fehl am Platz, sondern stellt eine Opferbeleidigung dar.
Und auch die u. a. von BILD oft so lauthals geforderten drakonischen Strafen werden als nicht zielführend angesehen, weil die meisten der Täter aus dem unmittelbaren Umfeld der Opfer kommen. Was dazu führt, dass die Opfer weniger aussagebereit sind, weil sie es nicht auf sich nehmen wollen, für derartig hohe Strafen "verantwortlich" zu sein. Drakonische Strafandrohungen führen also direkt zu einem Rückgang der Verurteilungen!

Soviel zur Versachlichung der Debatte - an der aber BILD eher selten interessiert ist. Und bitte keine Missverständnisse: hier sollen Übergriffe auf Kinder keinesfalls relativiert werden!

Doch ist nicht derjenige, der solche Neigungen fördert und/oder hervorruft, und sie sogar kommerziell ausnutzt, viel schlimmer?

Denn jetzt gerade kommt BILD.de mit DEM hier um die Ecke:
Zugegeben: Emma Watson ist zu einer wunderschönen Frau geworden, in die man sich durchaus auch mal verlieben kann.
Aber:
welcher durchschnittliche BILD.de-Leser bitteschön VERLIEBT sich denn in eine 11jährige, eine 14jährige oder eine 15jährige? So alt war Emma Watson nämlich in den Jahren 2001, 2004 und 2005.

Schon klar:
wenn man Feuer legt, ist man nicht schuld, wenns brennt. Sondern immer nur das Holz.

So long

Der Falke

Donnerstag, 4. August 2011

BILD mal wieder. Diesmal: Sex oder nicht Sex?

Ein Tip an BILD.de für "journalistische Glaubwürdigkeit": man sollte sich mal entscheiden, über was man sich empört. Und über was nicht.
Der Glaubwürdigkeit zuträglich abträglich ist es beispielsweise, den gleichen Themenkreis gleichzeitig anzuprangern und gutzuheissen, bzw. sogar zu empfehlen um daran zu verdienen.

Beispielsweise haben wir hier mal wieder einen Ausdruck des konservativen roll-backs in unserer Gesellschaft: BILD prangert einen Film im -sonst eher konservativen- ZDF an. Da wären "explizite Sex-Szenen" zu sehen. Okay...kann man machen. Unabhängig davon, ob die Szenen nun "explizit" sind oder nicht.


Aber:
zeitgleich erscheint auf BILD.de DAS hier:
...und DAS hier:

und DAS hier:

und letzteres sogar zweimal:


Jaha...nun kann man ja sagen: "Explizite Sex-Szenen um 0.55 Uhr im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen sind was anderes als Bilder von Frauen in Bikinis in einer Online-Zeitung!". Stimmt.

Aber:
wer wissen will, was EXPLIZIT bedeutet, klickt das von BILD.de auf der Hauptseite 2x beworbene Erotikportal "Erotik1" ("...Erotik unzensiert...") einfach mal an...und zwar VOR 0:55 Uhr...

Gehts noch bigotter, als dieses simultane Zur-Schau-Stellen konstruierter Empörung einerseits und 50er-Jahre-Altherrenchauvinismus andererseits? Oder sollen wir daraus lernen, dass die Darstellung von Sex bzw. hübschen halbnackten Frauen an sich anprangernswert ist, nur dann nicht, wenn man daran verdient? Das also beim Geld "die Moral" aufhört?

Oder was?

So long

Der Falke

Mittwoch, 3. August 2011

Spiderman Reloaded: BILD liest PI

Ja, das hat ja gar nicht lange gedauert. Nur wenige Stunden, nachdem beim tolerantesten und demokratiefreundlichsten Blog der Welt, "PI-News.net", ein Artikel über den neuen Spiderman-Comic erschienen  war, zog BILD nach.

Beiden Artikeln ist gemein, dass über die Hautfarbe des neuen Comic-Protagonisten berichtet wird. Bei PI macht man sich in einer schlüssigen Argumentationskette Sorgen, dass "unser weisses Amerika" dabei zu kurz kommt. Bei BILD fehlt diese zarte Anspielung.

Aber wenn man genau hinschaut, sieht man bei BILD folgendes:

"Jetzt sollen politisch korrekten Spider-Man sollen Bösewichter ins Netz gehen – anstelle von Peter Parker,..."
(Der Fehler im Satzbau ist aus dem Original übernommen, 21:29 Uhr. Die Hervorhebung ist von mir.)
Eine verräterische Wortwahl. Denn "politisch korrekt" ist, nicht nur im Zusammenhang mit Migrations- oder Ethnienfragen, bei PI geradezu ein Schimpfwort. Auch, wenn man offenbar die Rassismus-Klippe im PI-Artikel durch Weglassen umschifft hat, hat man hier wohl eine kleine Untiefe übersehen.

So long

Der Falke